"Opferpopp 2.0": Immersives Theater im ntv-Schaufenster sucht nach verlorenen Schicksalen

Steve Hecker
Steve Hecker
2 Min.
Das 20. Jahrhundert Theater in Detroit, Michigan, ein Gebäude mit Glaswänden und Namensschildern, umgeben von Bäumen und Strommasten mit Drähten, unter einem bewölkten Himmel.Steve Hecker

"Opferpopp 2.0": Immersives Theater im ntv-Schaufenster sucht nach verlorenen Schicksalen

Am 5. März 2026 eröffnet im ntv-Schaufenster des Thalia Theaters Halle eine neue immersive Theaterinstallation mit dem Titel "Opferpopp 2.0 – Ein Requiem". An zwölf Abenden bis zum 22. März widmet sich die Produktion dem Leben junger Schauspieler:innen aus einem umstrittenen Stück von 1982, das sich mit Gewalt und Vernachlässigung auseinandersetzte. Das Projekt ist zugleich Hommage und Spurensuche – es fragt nach dem Werdegang der Beteiligten nach der Uraufführung.

Die Installation verwandelt das ntv-Schaufenster in das "Klubhaus Kluth", einen begehbaren Raum zwischen Ausstellung, Club und Performance. Benannt in Erinnerung an Alexander Kluth – ein Ensemblemitglied der Neuinszenierung von "Opferpopp" aus dem Jahr 2007, der im vergangenen Jahr starb – bietet der Ort Raum für Reflexion und Begegnung. Das Publikum kann sich frei bewegen, dabei Musik, Live-Auftritte, ein digitales Archiv und Gespräche entdecken.

Regisseur Mirko Borscht und der Videokünstler Hannes Hesse leiten das Projekt, das die Schicksale der damaligen Laiendarsteller:innen nachzeichnet. Viele der jungen Performenden, die 1982 ihre Erfahrungen mit Missbrauch und Ausgrenzung schonungslos auf die Bühne brachten, verschwanden danach aus der Öffentlichkeit. Über ihren weiteren Lebensweg oder mögliche Karrieren gibt es keine Aufzeichnungen – ihre Geschichten blieben largely unerzählt.

Jeder Abend steht unter einem anderen Motto und hinterfragt Klischees über sogenannte "Problemkinder" sowie die langfristigen Folgen von Gewalt und Ausgrenzung. Die Reihe "ERINNERN IST HEIMAT" versteht sich als "Denkmal für die Getilgten" und beleuchtet verlorene Biografien und vergessene Kämpfe. Besonders Jugendliche ab 14 Jahren sind eingeladen, das Klubhaus Kluth als seltenen sozialen Ort in einer Zeit schwindender öffentlicher Begegnungsstätten zu nutzen.

Die Produktion ist vom 5. bis 22. März 2026 täglich im ntv-Schaufenster Halle zu erleben. Sie verbindet Performance, Archivmaterial und Publikumspartizipation, um das ursprüngliche Ensemble zu ehren – und gleichzeitig das Schweigen über ihr späteres Leben zu brechen. Das temporäre Klubhaus Kluth bleibt als Mahnmal und Begegnungsstätte erhalten, in der über Jugend, Trauma und kollektives Gedächtnis diskutiert wird.

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