Angélica Liddells radikale Performance über Tod und Seppuku polarisiert Wien
Steve HeckerAngélica Liddells radikale Performance über Tod und Seppuku polarisiert Wien
Angélica Liddell präsentiert mutige Neuinszenierung bei den Wiener Festwochen
Im Rahmen der Wiener Festwochen hat Angélica Liddell am Volkstheater eine provokante neue Performance uraufgeführt. Unter dem Titel „Seppuku: Die Beerdigung Mishimas oder die Lust am Sterben“ erkundet das Stück den Suizid durch drastische und symbolträchtige Akte. Inspiriert ist es sowohl von Yukio Mishimas rituellem Tod als auch von einem tragischen Vorfall, den Liddell in Madrid miterlebte.
Die Aufführung begann damit, dass Liddell und ihre Compagnie Atra Bilis Teatro Kleidungsstücke Verstorbener sammelten. Auf der Bühne trägt sie diese Gewänder, um das Leben und den Tod fremder Menschen zu verkörpern – ein Akt, der Teil ihrer Auseinandersetzung mit dem ist, was sie ihre „höllischen Ängste“ nennt.
Die zweistündige Produktion verbindet Nō-Theater mit Liddells roher Performance-Kunst. Sie inszeniert Mishimas Seppuku von 1970 nach, den rituellen Suizid, den der japanische Schriftsteller bereits 1966 in einem Film vorwegnahm. In einer Szene lassen sich Liddell und eine weitere Darstellerin Blut abnehmen, mischen es und schleudern es auf eine Leinwand.
Den Höhepunkt bildet Liddells ekstatische Rechtfertigung des Suizids. Einer der Auslöser für das Stück war der Sprung einer Frau in den Tod auf Madrider Gran Vía, den sie in diesem Jahr miterlebte.
Die Performance hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck durch ihre schonungslose Auseinandersetzung mit der Sterblichkeit. Indem Liddell persönliches Trauma mit historischer Reenactment verschmilzt, fordert sie das Publikum heraus, sich dem tabuisierten Thema der Selbstzerstörung zu stellen. Die Inszenierung markiert ein weiteres provokantes Kapitel in der Karriere der grenzenlosen Künstlerin.






