RAW-Gelände in Berlin: Kulturelles Erbe zwischen Räumung und Wohnungsbau
Nadeshda SölzerRAW-Gelände in Berlin: Kulturelles Erbe zwischen Räumung und Wohnungsbau
Die Zukunft des Berliner RAW-Geländes, eines Zentrums für Clubs, Bars und kulturelle Räume, ist ungewiss. Ein langjähriger Streit zwischen der Kurth-Gruppe, dem Senat und dem Bezirk setzt Orte wie den Club Cassiopeia der Räumung aus. Proteste haben bereits begonnen – Demonstranten versammelten sich am Kurfürstendamm unter dem Motto „RAW für alle – Cassiopeia & Co. müssen bleiben“.
Das RAW-Gelände in Friedrichshain blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Ursprünglich als Wartungsdepot für Reichsbahn-Züge genutzt, verfiel es nach dem Fall der Berliner Mauer. Mit der Zeit entstanden in den teils verfallenen Hallen Dutzende Bars, Clubs und Kulturstätten, die Feiernde, Anwohner und Touristen anzogen. Heute beherbergt das Areal Konzertlocations, einen Biergarten, eine Skatehalle, eine Boulderhalle, Lagerhallen, einen Weihnachtsmarkt und einen Flohmarkt.
Im Januar beantragte die Kurth-Gruppe ein beschleunigtes Baugenehmigungsverfahren, um auf dem Gelände Wohnraum zu schaffen. Senat und Bezirk legten Mitte Mai einen Rahmenvertrag vor, den die Kurth-Gruppe jedoch ablehnte. Streitpunkt ist, wie viele Wohnungen gebaut werden sollen und welche historischen Hallen erhalten bleiben müssen.
Einige Mieter, darunter der Club Cassiopeia, erhielten bereits Räumungsaufforderungen für Teile der Räumlichkeiten. Andere wurden mit neuen Verträgen bedacht. Cassiopeia könnte bereits nächste Woche geräumt werden, weitere Einrichtungen könnten folgen. Der Konflikt bleibt ungelöst – die kulturelle Zukunft des RAW-Geländes steht auf dem Spiel. Sollte keine Einigung erzielt werden, müssten Cassiopeia und andere Orte schließen. Die Entscheidung wird zeigen, ob der Standort sein lebendiges Mischungsverhältnis aus Nachtleben und Gemeinschaftsräumen bewahrt oder sich in ein reines Wohngebiet verwandelt.
