Ramadan-Streit in Kleve: Wie ein Kinderkonflikt zur bundesweiten Debatte wurde
Folker RoggeRamadan-Streit in Kleve: Wie ein Kinderkonflikt zur bundesweiten Debatte wurde
Ein Streit unter Zehnjährigen über das Fasten während des Ramadan hat an einer Schule in Kleve, Nordrhein-Westfalen, eine breitere Debatte ausgelöst. Der Konflikt begann in einer fünften Klasse, wo es Auseinandersetzungen darüber gab, ob Schüler essen sollten, während andere fasteten. Die deutsche Boulevardzeitung Bild stilisierte den Vorfall später als großen Kulturkampf und lenkte damit bundesweite Aufmerksamkeit auf das Geschehen.
Der Vorfall ereignete sich erstmals Anfang März 2026 an der Joseph-Beuys-Gesamtschule. Muslimische Schüler hätten demnach nicht fastende Mitschüler gebeten, aus Respekt vor den Fastenden ihr Essen zu verstecken. Die Schule reagierte mit der Empfehlung, sich beim Essen abzuwenden, um eine respektvolle Atmosphäre zu wahren.
Später berief die Schule eine Klassenratssitzung ein, um die Meinungsverschiedenheiten zu klären. Behörden, darunter die Bezirksregierung Düsseldorf, stellten klar, dass es keine offizielle Regelung gebe, die nicht fastende Schüler zum Verbergen ihrer Mahlzeiten verpflichte. Der Vorfall werde vielmehr als typischer Kinderstreit und nicht als strukturelles Problem eingestuft.
Trotzdem veröffentlichte Bild reißerische Schlagzeilen wie "Ramadan-Streit! Schüler sollen heimlich naschen" und "Wie die Schule zurückrudert" und präsentierte die Situation als Konflikt um Migration und religiöse Anpassung. Schule und lokale Behörden betonten seitdem, dass es keine systematischen Probleme gebe und alle Schüler das Recht hätten, frei zu essen.
Um die Angelegenheit beizulegen, planen die Schule und die Landesregierung weitere Gespräche mit allen Beteiligten. Ziel ist es, die Kommunikation zu verbessern und das Prinzip eines respektvollen Miteinanders zu stärken.
Der Streit hat sowohl bei der Bezirksregierung Düsseldorf als auch im NRW-Ministerium Untersuchungen ausgelöst. In lokalen Diskussionen wird weiterhin die Bedeutung der Religionsfreiheit für alle Schüler hervorgehoben. Die Schule hält daran fest, dass der Konflikt isoliert bleibe und durch Dialog lösbar sei.