Pressevertrieb vor radikaler Wende: Verlage planen Zentralisierung trotz Widerstand
Folker RoggePressevertrieb vor radikaler Wende: Verlage planen Zentralisierung trotz Widerstand
Deutscher Pressevertrieb steht vor tiefgreifendem Umbruch
Eine Gruppe führender Verlage, bekannt als das FFF-Bündnis, will die Auslieferung von Zeitungen und Zeitschriften grundlegend reformieren. Geplant ist die Ablösung von 13 regionalen Großhändlern durch einen einzigen zentralen Verteiler, die Presse-Grosso-Allianz (PGA).
Zum FFF-Bündnis zählen schwere Gewichte der Branche wie Axel Springer, die Bauer Media Group und die Süddeutsche Zeitung. Als Partner für das neue System wurden die Großhändler 4Press, Qtrado, PVG und Trunk ausgewählt. Die Verlage versprechen sich von der Umstrukturierung eine effizientere Distribution – doch der Vorstoß stößt auf massiven Widerstand.
Der Bundesverband Presse-Grosso verurteilte die Kündigung der Verträge als gezielten Angriff auf einen unabhängigen Wirtschaftsbereich. Vorstandsmitglied Thorsten Mauch warnte, das Projekt könnte in rechtliche Auseinandersetzungen und ein chaotisches Übergangsphase münden. Der Verband kündigte an, noch im Sommer 2023 rechtliche Schritte einzuleiten, um die Reform zu stoppen.
Zuvor hatte das Landgericht Dortmund Anträge der Großhändler PDG und Lütkemeyer auf einstweilige Verfügungen gegen die Kündigungen abgelehnt. Beide Unternehmen zeigten sich enttäuscht von dem Urteil, betonten jedoch, alle rechtlichen Mittel auszuschöpfen, um die bestehenden Vertriebsnetze zu verteidigen. Gleichzeitig kämpfen weitere Großhändler wie Jost, Mietke, PGSW und Grossounion Nord gerichtlich gegen ihre Vertragsbeendigungen.
Trotz des juristischen Gegenwinds bekräftigte das FFF-Bündnis seinen Kurs. Die Gruppe argumentiert, die Neuerungen würden den Vertrieb modernisieren – während Kritiker warnen, dass Arbeitsplätze und die Stabilität der Branche auf dem Spiel stünden.
Die rechtlichen Auseinandersetzungen dürften sich hinziehen, da mehrere Großhändler gegen die Entscheidungen der Verlage klagen. Das Ergebnis wird zeigen, ob das FFF-Bündnis sein zentralisiertes Vertriebsmodell durchsetzen kann. Der Konflikt offenbart tiefe Gräben über die Zukunft der deutschen Presselogistik.
