16 March 2026, 10:12

"Komische Vögel": Wenn Ornithologie auf düstere Geschichte trifft und provoziert

Ein aufgeschlagenes Buch mit dem Titel "The Theatre: A Monthly Review of the Drama, Music, and the Fine Arts" und Text sowie einem Logo auf der sichtbaren Seite.

"Komische Vögel": Wenn Ornithologie auf düstere Geschichte trifft und provoziert

"Komische Vögel" – ein Theaterstück, das mit scharfem Blick auf Gesellschaft und Kultur provoziert

Das neue Stück Komische Vögel fordert sein Publikum mit einer pointierten Auseinandersetzung mit Gesellschaft und Kultur heraus. Drei Schauspielerinnen – Vanessa Stern, Verena Unbehaun und Mira Partecke – erkunden die skurrilen Seiten der Ornithologie und verweben dabei düstere historische Fäden. Die Inszenierung verbindet Humor mit beunruhigenden Fragen danach, wie Vögel, Wissenschaft und Macht miteinander verwoben sind.

Die Vorstellung kehrt am 21., 22. und 23. November auf die Bühne des TD Berlin zurück.

Im Mittelpunkt des Stücks stehen drei Frauen, die exzentrische Alter Egos annehmen – jedes eng mit der Welt der Vögel verbunden. Ihre Auftritte mischen Situationskomik mit absurden Momenten und halten die Stimmung unberechenbar. Eine besonders prägnante Szene zeigt Unbehaun, wie sie Passagen aus den Aufzeichnungen von Günther Niethammer vorträgt, einem SS-Offizier und Ornithologen, der in Auschwitz tätig war. Dieser Verweis verändert die Atmosphäre schlagartig und fügt eine düstere Ebene hinzu: die Instrumentalisierung der Wissenschaft unter dem NS-Regime.

Auch das Bühnenbild unterstreicht die Themen des Stücks. Fünf ausgeklappte Anleitern verstellen den Raum, während die Kostüme zwischen vogelähnlichen Outfits und der Kleidung von Vogelbeobachtern wechseln. Diese Entscheidungen spiegeln die übergeordnete Kritik des Stücks an der "Vogelbeobachter-Blase" wider – eine satirische Betrachtung der Motive hinter der Ornithologie und ihrer mitunter besessenen Anhänger.

Doch Komische Vögel geht über Humor und historische Anspielungen hinaus. Die Produktion setzt sich subtil mit den geplanten Kürzungen im Berliner Kulturetat für 2026/2027 auseinander und inszeniert die Bühne als Ort, an dem Kunst und Debatten um Förderung aufeinandertreffen. Durch den Verzicht auf traditionelles Erzähltheater zwingt das Stück das Publikum, neu zu überdenken, wie Gesellschaft mit Natur, Geschichte und Kultur umgeht.

Die Aufführung hinterlässt beim Publikum eine Mischung aus Lachen und Unbehagen, eine Verbindung aus leichtfüßiger Komödie und ernsten Reflexionen. Tickets für die letzten drei Vorstellungen im November am TD Berlin sind erhältlich. Mit seinem unkonventionellen Ansatz setzt sich das Stück gleichermaßen als Unterhaltung und Provokation in Szene.

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