Europas Rüstungswettlauf erreicht Rekordniveau nach Ukraine-Krieg und Nahost-Konflikten
Nadeshda SölzerEuropas Rüstungswettlauf erreicht Rekordniveau nach Ukraine-Krieg und Nahost-Konflikten
Weltweite Militärausgaben steigen stark an, da sich Konflikte in mehreren Regionen zuspitzen
Vier Jahre nach Beginn des Ukraine-Kriegs treiben immer mehr Staaten ihre Rüstungsbudgets in die Höhe – Europa gibt dabei den Ton an. Allein Österreich hat sich verpflichtet, innerhalb eines Jahrzehnts 16,6 Milliarden Euro in die Modernisierung seiner Streitkräfte zu investieren.
Die Aufrüstung Österreichs begann nach dem russischen Überfall auf die Ukraine im Jahr 2022. Seither hat das Land Verträge über 36 Skyranger-30-Drohnenabwehrsysteme, 12 Leonardo-M-346FA-Schulungsjets sowie vier Embraer-C-390-Transportflugzeuge unterzeichnet. Die Auslieferung der Transportmaschinen soll 2028 beginnen. Zudem umfasst das Zehnjahresprogramm den Kauf von 225 Pandur-Evolution-Fahrzeugen, 50 Ulan-Varianten und 100 Hägglunds-Kettenfahrzeugen.
Unterdessen meldete der deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall für 2025 einen Umsatzanstieg von 29 Prozent, wobei die Verkäufe in diesem Jahr um bis zu 45 Prozent steigen dürften. Um die stark gestiegene Nachfrage zu bedienen, will das Unternehmen 10.000 neue Mitarbeiter einstellen. Insgesamt rechnet Europa 2024 mit einem Wachstum der Verteidigungsausgaben um elf Prozent – ein Trend, der sich global widerspiegelt.
Trotz der höheren Investitionen kämpft Europa jedoch weiterhin mit Hindernissen bei der Umwandlung militärischer Forschung in praxistaugliche Produkte. Zersplitterte Märkte, jahrelange Unterfinanzierung und eine schwache Start-up-Kultur bremsen die Fortschritte. Die Entwicklung fällt in eine Zeit, in der bewaffnete Konflikte ein seit Jahrzehnten nicht mehr erreichtes Ausmaß erreichen – angetrieben durch die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten.
Österreichs 16,6-Milliarden-Plan ist Teil einer europäischen Gesamtstrategie zur Stärkung der militärischen Handlungsfähigkeit. Rheinmetalls Expansion und die steigenden Umsätze unterstreichen die wachsende Nachfrage nach Waffen und Ausrüstung. Angesichts anhaltender Konflikte werden die Staaten auch in den kommenden Jahren weiter in ihre Verteidigung investieren.