EU-Gesetz bedroht seltene Saatgutsorten und kleine Erzeuger in NRW
Nadeshda SölzerEU-Gesetz bedroht seltene Saatgutsorten und kleine Erzeuger in NRW
Ein geplanter EU-Gesetzentwurf könnte die Zukunft traditioneller Saatgutsorten in ganz Europa gefährden. Kleine Erzeuger in Städten wie Düsseldorf warnen, dass strenge neue Vorschriften sie in die Insolvenz treiben könnten. Gleichzeitig arbeiten Saatgutbibliotheken in Köln und Neuss intensiv daran, seltene Pflanzensorten vor dem Verschwinden zu bewahren.
Die neue Verordnung würde verschärfte Zertifizierungspflichten und hohe Gebühren für Saatguthändler einführen. Viele Kleinproduzenten fürchten, sich die Einhaltung der Regeln schlicht nicht leisten zu können – und damit ihre Existenz zu riskieren. Hobbygärtner, darunter Selbstversorger wie Anne Mommertz aus Düsseldorf, sind auf diese Nischenanbieter angewiesen, um Zugang zu einer vielfältigen Saatgutauswahl zu haben.
Die Verhandlungen über die genauen Bestimmungen des Gesetzes begannen im Februar 2026. Während das Europäische Parlament Ausnahmen fordert, um kleine Erzeuger zu schützen, setzt der Rat der Agrarminister auf einen strengeren Kurs mit umfassenden Kontrollen. Sollte die Verordnung in der vorgeschlagenen Form verabschiedet werden, könnten viele kleine Betriebe schließen müssen – und Gärtner hätten nur noch standardisiertes Saatgut großer Industriekonzerne zur Auswahl.
Als Reaktion verzeichnen die Saatgutbibliotheken in Köln und Neuss eine steigende Nachfrage nach seltenen Sorten. Diese gemeinnützigen Initiativen verleihen Saatgut kostenlos und tragen so zum Erhalt der biologischen Vielfalt bei. Ohne solche Projekte drohen viele einzigartige Pflanzensorten zu verschwinden, falls die Verordnung wie geplant umgesetzt wird.
Das Ergebnis der EU-Gespräche wird entscheiden, ob kleine Saatguterzeuger weiterarbeiten können. Wird das Gesetz in der aktuellen Fassung beschlossen, könnten seltene Sorten vom Markt verschwinden. Gärtner und Naturschützer warten nun gespannt darauf, ob es Ausnahmen geben wird.