Düsseldorfs "fiftyfifty" kämpft ums Überleben – Verkäufer:innen in Not
Steve HeckerDüsseldorfs "fiftyfifty" kämpft ums Überleben – Verkäufer:innen in Not
Düsseldorfs "fiftyfifty"-Magazin, das von obdachlosen und marginalisierten Verkäufer:innen angeboten wird, verzeichnet einen drastischen Rückgang der Verkaufszahlen. Die monatliche Auflage ist von einst 40.000 Exemplaren auf weniger als 12.000 gesunken. Der Schwund spiegelt nicht nur die allgemeinen Herausforderungen des Printmedienmarkts wider, sondern auch eine zunehmende Feindseligkeit gegenüber den Verkäufer:innen – viele von ihnen haben einen Migrationshintergrund.
"fiftyfifty" erscheint sowohl als Print- als auch als Digitalausgabe. Die Online-Version funktioniert wie eine Loskarte: Die Verkäufer:innen behalten die Hälfte des Verkaufspreises. Trotz einer kürzlichen Preiserhöhung auf 3,40 Euro bleibt das Magazin im Vergleich zu anderen Waren erschwinglich.
Doch "fiftyfifty" ist mehr als nur eine Verkaufsplattform. Es bietet den Verkäufer:innen Einkommen, Struktur und ein Stück Würde. Für viele Obdachlose bedeutet der Verkauf des Magazins Schutz und Zugehörigkeit.
Finanziert wird das Projekt vor allem über den Verkauf, doch auch Spenden und eine Wohltätigkeitsgalerie, in der Kunstwerke bekannter Künstler:innen verkauft werden, tragen dazu bei. Die Einnahmen fließen in soziale Initiativen wie Straßenhilfe und "Housing First"-Programme. Ohne "fiftyfifty" drohe der Verlust einer wichtigen Stimme für Obdachlose, warnen Unterstützer:innen.
Obwohl genaue Zahlen fehlen, haben viele deutsche Straßenmagazine in den letzten Jahren auf hybride Print-Digital-Modelle umgestellt. Titel wie "Straßenmagazin" oder regionale Ausgaben verbinden beide Formate, um auf die sinkende Nachfrage nach Print zu reagieren. Umfassende Daten zu diesem Trend sind jedoch in öffentlichen Quellen nicht dokumentiert.
Der Auflagenrückgang gefährdet nun "fiftyfiftys" Fähigkeit, soziale Projekte zu finanzieren und die Verkäufer:innen zu unterstützen. Die Präsenz des Magazins auf den Straßen hält das Thema Obdachlosigkeit in der öffentlichen Debatte sichtbar. Sein Überleben hängt davon ab, den Verkaufsrückgang zu stoppen – und der wachsenden Ablehnung gegenüber den Verkäufer:innen entgegenzuwirken.