24 March 2026, 14:12

Wie Nurejew vom Bolschoi-Ballett zum politischen Symbol wurde

Bildnis 'Tanz an der Oper' von Jean Beraud, 1889, das eine Gruppe von Tänzern in weißen Tutus und Hüten auf einer Bühne mit Scheinwerferlicht und einem Photo-Rahmen-Border zeigt.

Wie Nurejew vom Bolschoi-Ballett zum politischen Symbol wurde

Das Ballett Nurejew – eine Hommage an einen der größten Tänzer der Geschichte

Das Ballett Nurejew ist zu einer eindrucksvollen Huldigung an eine der schillerndsten Figuren des Tanzes geworden. 2017 in Moskau uraufgeführt, erzählt es die Lebensgeschichte Rudolf Nurejews – vom jungen Studenten in Leningrad bis zum weltweiten Star. Doch der Weg dieser Produktion auf die Bühne und darüber hinaus war ebenso dramatisch wie das Leben des Mannes, dem sie gewidmet ist.

Während das Stück in Russland inzwischen verboten ist, führen seine Schöpfer sein Erbe im Ausland fort.

Rudolf Nurejew wurde 1938 geboren und absolvierte seine Ausbildung an der Waganowa-Ballettakademie in Leningrad unter Alexander Puschkin. Seine Flucht nach Frankreich 1961, nach der er sich weigerte, nach einem Gastspiel in Paris in die UdSSR zurückzukehren, ging in die Legende ein. Bis zu seinem Tod 1993 in Paris lebte er im Exil und hinterließ ein immenses künstlerisches Vermächtnis.

Die erste Fassung des Balletts Nurejew feierte 1995 am Staatsballett Berlin Premiere, doch die umstrittenste Inszenierung folgte 2017 am Moskauer Bolschoi-Theater. Der Choreograf Juri Possochow, ein US-Bürger ukrainischer Herkunft aus Luhansk, arbeitete dabei mit dem Regisseur Kirill Serebrennikow zusammen. Doch Serebrennikow konnte die Premiere nicht besuchen – er stand zu diesem Zeitpunkt unter Hausarrest und wurde später in einem politisch geprägten Verfahren wegen Untreue verurteilt.

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2023 verbot die russische Regierung das Ballett mit Verweis auf seine LGBTQ+-Thematik. Serebrennikow, mittlerweile im Berliner Exil, leitete dort 2022 eine Neuinszenierung. Kritiker loben vor allem den ersten Akt für seine emotionale Tiefe und künstlerische Brillanz, während einige dem zweiten Akt vorwerfen, nicht dieselbe Intensität zu halten.

Trotz der geopolitischen Spannungen bleibt Possochows Werk Teil des Repertoires des Bolschoi-Theaters. Unterdessen wurde Nurejews Nachlass 1995 versteigert, wodurch Erinnerungsstücke aus seinem außergewöhnlichen Leben in alle Welt verstreut wurden.

Nurejew steht heute sowohl für die Feier künstlerischer Freiheit als auch als Mahnmal politischer Unterdrückung. Das Verbot in Russland hat die internationalen Aufführungen nicht gestoppt – im Gegenteil: Die Geschichte Nurejews und die Kämpfe seiner Schöpfer erreichen weiterhin ein globales Publikum. Die Zukunft dieser Produktion liegt nun jenseits ihrer Heimat, getragen von denen, die sie nicht in Vergessenheit geraten lassen.

Quelle