Westfalen-Lippe kämpft mit bundesweitem Hausärzte-Notstand und politischer Schuldzuweisung
Nadeshda SölzerArztmangel in NRW: Streit um effektive Maßnahmen - Westfalen-Lippe kämpft mit bundesweitem Hausärzte-Notstand und politischer Schuldzuweisung
Nordrhein-Westfalens Region Westfalen-Lippe hat bundesweit die wenigsten Hausärzte pro Einwohner
Aktuelle Zahlen zeigen, dass in der Region Westfalen-Lippe nur noch 61 Hausärzte auf 100.000 Einwohner kommen – der niedrigste Wert aller kassenärztlichen Vereinigungen in Deutschland. Die Unterversorgung hat eine politische Debatte über die Verantwortung für die Krise ausgelöst.
Die SPD wirft Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) vor, das Problem jahrelang ignoriert zu haben. Lisa-Kristin Kapteinat, stellvertretende Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, bezeichnete die Zahlen als "vernichtendes Zeugnis seiner Amtszeit". Laumann wies die Kritik zurück und argumentierte, dass die Lösung des Hausärztemangels langfristige Planungen erfordere, die über eine Legislaturperiode hinausgingen.
Der CDU-Politiker Daniel Hagemeier konterte, die Vorwürfe der SPD seien "das EigenTor des Monats". Gleichzeitig hat das Land bereits Gegenmaßnahmen ergriffen: NRW führte als erstes Bundesland eine Landarztquote ein, durch die sich 1.100 Medizinstudierende mit Schwerpunkt Allgemeinmedizin verpflichten, nach ihrem Abschluss zehn Jahre in unterversorgten Gebieten zu arbeiten.
Allerdings werden die ersten Teilnehmer dieses Programms erst 2030 ihre Praxen eröffnen – bedingt durch die lange Ausbildungsdauer. Frühere Initiativen wie das Hausarztprogramm von 2009 haben bereits zur Gründung von über 1.000 neuen Praxen in unterversorgten Gebieten NRWs beigetragen. Rund 80 Prozent der Fördergelder flossen dabei in die besonders betroffene Region Westfalen-Lippe.
Bundesweit gibt es große Unterschiede bei der Hausarztversorgung: Baden-Württemberg verfügte 2025 über etwa 64 Hausärzte pro 100.000 Einwohner, Mecklenburg-Vorpommern führte mit rund 77 die Statistik an. Insgesamt verzeichnete Hamburg mit 315 ambulanten Ärzten und Psychotherapeuten pro 100.000 Einwohnern die höchste Dichte, während Brandenburg mit 199 am unteren Ende lag.
Die Landarztquote soll die Versorgungslücken verringern, doch ihre Wirkung wird sich erst in Jahren zeigen. Bis dahin bleibt Westfalen-Lippe die Region mit der geringsten Hausarztversorgung Deutschlands. Angesichts der wachsenden Klüfte in der medizinischen Versorgung dürfte die politische Diskussion über Verantwortung und Lösungsansätze weiter an Fahrt aufnehmen.






