04 May 2026, 06:11

Warum die Linke im Kampf gegen den Neoliberalismus seit den 1970ern scheitert

Plakat mit fetter schwarzer Schrift auf einem weißen Hintergrund, eingerahmt von einem schmalen schwarzen Rand, das "Maganomics: Ein Wirtschaftsplan, der drei Dinge tut - Steuern weiter für Reich und große Unternehmen senken."

Warum die Linke im Kampf gegen den Neoliberalismus seit den 1970ern scheitert

Krise der Kritik: Warum der Widerstand gegen den Neoliberalismus seit den 1970ern scheitert

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Ein neues Buch mit dem Titel „Krise der Kritik“ untersucht, warum sich der Widerstand gegen den Neoliberalismus seit den 1970er-Jahren so schwer tut. Die Herausgeber argumentieren, dass das Verständnis der Schwächen seiner Kritiker entscheidend ist, um Jahrzehnte gesellschaftlichen Wandels zu begreifen. Der Band beleuchtet sowohl das Scheitern der Linken als auch die Komplexität des Neoliberalismus als Konzept.

Forschende beschäftigen sich seit Langem mit dem Aufstieg des Neoliberalismus, der in den 1970er-Jahren global an Fahrt aufnahm. Das Feld lässt sich grob in zwei Strömungen unterteilen: Die eine konzentriert sich auf strukturelle Veränderungen des Kapitalismus, die andere auf die Ideengeschichte neoliberaler Konzepte. Doch schon der Begriff selbst bleibt umstritten – wie Roman Kösters Essay zeigt, wird er oft fragmentiert und inkonsistent verwendet.

Das Buch stellt die Vorstellung infrage, dass sich Kritik nahtlos von systemischen zu konsumorientierten Anliegen verschoben habe. Benjamin Möckels Beitrag belegt, dass konsumkritische Ansätze – etwa in den Protesten von 1968 – stets mit grundsätzlichen Angriffen auf den Kapitalismus verwoben waren. Diese Debatten gewannen bereits während des Nachkriegbooms an Dynamik, lange bevor der Neoliberalismus Fuß fasste.

Flemming Falz’ Essay fördert eine unangenehme Wahrheit zutage: Sozialdemokratische und linksliberale Akteure griffen neoliberale Reformen oft als Lösungen für Krisen auf. Thorsten Holzhauser hingegen argumentiert, dass die PDS (und später die Linke) in Deutschland nie eine starke antikapitalistische Haltung zurückgewann. Kurzum: Die Linke versagte darin, dem Neoliberalismus wirksam etwas entgegenzusetzen.

Die Herausgeber betonen, dass der Begriff „Neoliberalismus“ zwar hilft, kapitalistische Umbrüche zu erklären, aber die Gefahr birgt, Kritik zu vereinfachen. Der eigentliche Wert des Buches liegt darin, die Krisen offenzulegen – nicht nur die des Kapitalismus, sondern auch die seiner Gegner.

Die Aufsätze in „Krise der Kritik“ zeichnen das Bild einer Linken, die im Vormarsch des Neoliberalismus ihren Halt verlor. Sie zeigen, wie sich die Kapitalismuskritik zersplitterte, während Reformen oft genau jenes System stärkten, das sie bekämpfen wollten. Das Buch lässt keinen Zweifel: Der Kampf gegen den Neoliberalismus bleibt so dringend wie ungelöst.

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