22 April 2026, 04:12

Verbotene Chemikalien in Nivea und Schwarzkopf: Warum die EU jetzt handeln muss

Rotes und gelbes Schild mit der Aufschrift "Organisches Peroxid 5.2", das eine gefährliche Substanz anzeigt.

Verbotene Chemikalien in Nivea und Schwarzkopf: Warum die EU jetzt handeln muss

Trotz strenger Vorschriften werden in ganz Europa weiterhin verbotene Kosmetikprodukte verkauft. Eine aktuelle Untersuchung deckte auf, dass bekannte Marken wie Nivea und Schwarzkopf Produkte mit verbotenen Chemikalien anbieten. Die Enthüllungen kommen kurz vor einer anstehenden EU-Abstimmung über die Verlängerung von Fristen für den Verkauf verbotener Waren.

Mitte März wurde in einer Tube des Schwarzkopf-Glitzer-Haargels der Duftstoff Lilial (BMHCA) nachgewiesen – ein Stoff, der in der EU seit über vier Jahren verboten ist. Die Chemikalie, die mit Fruchtbarkeitsrisiken in Verbindung gebracht wird, ist trotz des Verbots weiterhin im Umlauf. Das Rechercheportal CORRECTIV kaufte zudem drei verbotene Produkte online, darunter einen Nivea-Rasierschaum mit BMHCA von Amazon.

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In den letzten zehn Jahren wurden in der EU über 4.000 Kosmetikprodukte wegen gesundheitlicher Bedenken vom Markt genommen. Dennoch identifizierte die Europäische Kommission 2025 bei der Überprüfung von 1,6 Millionen Websites mehr als 20.000 illegale Artikel – viele davon auf großen Handelsplattformen. Auch andere schädliche Substanzen wie PFAS ("Ewigkeitschemikalien") und Hydrochinon tauchen weiterhin in gemeldeten Kosmetikprodukten auf.

Das Ausmaß des Problems ist enorm: Rund 600.000 Kosmetikartikel sind derzeit in Europa erhältlich, täglich kommen etwa 800 neue hinzu. Selbst Produkte mit Prostaglandin-Analoga, die möglicherweise die Fruchtbarkeit beeinträchtigen, stehen weiterhin in den Regalen großer Drogerieketten.

Am 15. April 2026 soll die EU über die Chemikalien-Omnibus-Verordnung abstimmen. Der Vorschlag könnte die Verkaufsfristen für verbotene Produkte verlängern und Unternehmen so mehr Zeit für die Anpassung geben.

Der anhaltende Verkauf verbotener Kosmetik wirft Fragen nach der Durchsetzung der Regeln und dem Verbraucherschutz auf. Angesichts der bevorstehenden EU-Entscheidung über strengere Fristen steht die Politik unter Druck, Schlupflöcher zu schließen. Gleichzeitig bleiben Tausende illegale Produkte für Kund:innen in ganz Europa zugänglich.

Quelle