Stille im Trubel: Wiesn-Gottesdienst bringt Andacht ins Oktoberfest-Zelt
Folker RoggeStille im Trubel: Wiesn-Gottesdienst bringt Andacht ins Oktoberfest-Zelt
Jedes Jahr lockt das Münchner Oktoberfest Massen, Bier und schwungvolle Musik in die Stadt. Doch mitten im üblichen Trubel des Festes verbirgt sich eine leisere, ungewöhnlichere Tradition: der Wiesn-Gottesdienst. Er findet in der ersten Woche im Marstall-Zelt statt und bietet einen seltenen Moment der Besinnung zwischen all den Feierlichkeiten.
Die Szene im Zelt könnte kaum weiter vom typischen Oktoberfest-Lärm entfernt sein. Nur sechs Männer sitzen beisammen, teilen sich Wein aus einem einzigen goldenen Kelch. Als der Gottesdienst beginnt, tritt einer von ihnen vor und spricht ins Mikrofon: "Und führe uns nicht in Versuchung …"
Die Menge, die sonst wegen Bier und Musik kommt, steht auf und singt: "Lobt den Herrn!" Ein Halleluja schwebt von der Bühne herab, auf der sonst die Königlich Bayerische Vollgas-Orchester aufspielt. Der Gottesdienst gibt einen Einblick in ein Dorf ohne festen Platz und einen Pfarrer ohne Kirche – alles in einem Bierzelte.
Diese Tradition ist nicht nur in München zu finden. In ganz Bayern gibt es während der Oktoberfest-Zeit ähnliche Volksfeste (Kirchweihen oder Volksfeste). Zwar gibt es keine genaue Zahl, doch der Brauch ist besonders stark in Regionen wie Bad Tölz, Freising und Ebersberg sowie in Städten wie Augsburg und Landshut verankert.
Der Wiesn-Gottesdienst bleibt ein auffälliger Kontrast zum Rest des Oktoberfests. Er verbindet Glauben und volkstümliche Tradition an einem unerwarteten Ort. Für die Besucher ist er eine kurze Unterbrechung der Feierlichkeiten – eine, in der Kirchenlieder die Polkas ersetzen und Wein das Bier.






