Skandal um Schweinemast: Tierschutzverstöße und gefälschte Kontrollen im Märkischen Kreis
Folker RoggeSkandal um Schweinemast: Tierschutzverstöße und gefälschte Kontrollen im Märkischen Kreis
Ein Schweinemastbetrieb im Märkischen Kreis, Nordrhein-Westfalen, steht nach verdeckten Videoaufnahmen, die schwere Verstöße gegen den Tierschutz zeigen, unter schweren Vorwürfen. Der Betreiber des Betriebs, der zugleich eine regionale Bauernvereinigung leitet, sieht sich nun mit Strafanzeigen konfrontiert – nach wiederholten gescheiterten Kontrollen und öffentlichem Aufschrei.
Die Vorfälle haben rasche Reaktionen von Behörden und Zertifizierungsstellen ausgelöst: Der Betrieb wurde aus dem QS-Prüfsystem ausgeschlossen, und der zuständige Prüfer wurde vorläufig suspendiert.
Am 10. Oktober veröffentlichte die Tierrechtsorganisation Aninova verdeckt gedrehtes Videomaterial, das verletzte Schweine, tote Ferkel und heruntergekommene Ställe auf dem Hof zeigt. Die erschütternden Bilder, die auf Instagram gepostet wurden, wurden seitdem über eine halbe Million Mal aufgerufen.
Nur vier Tage später führte das örtliche Veterinäramt eine eigene Kontrolle durch. Die Beamten bestätigten Verstöße gegen Tierschutz- und Hygienevorschriften – ein weiterer Negativbefund in der bereits belasteten Kontrollhistorie des Betriebs. Noch am selben Tag führte das QS-Prüfsystem eine Sonderprüfung durch und stellte inakzeptable Zustände fest, darunter tote Tiere. Der Betrieb wurde umgehend aus dem Zertifizierungssystem ausgeschlossen.
Der Landwirt, der zugleich als Geschäftsführer des Rheinisch-Nassauischen Land- und Winzerverbandes fungiert, wurde bei den Behörden angezeigt. Aninova kritisierte seine Doppelfunktion scharf und argumentierte, dass seine Rolle als Interessenvertreter der Branche mit den Missständen auf dem eigenen Hof unvereinbar sei. Der Verband gab hingegen an, von den Vorgängen auf dem Betrieb keine Kenntnis gehabt zu haben, und lehnte eine Stellungnahme ab.
Als Reaktion auf die Erkenntnisse setzte QS den Prüfer, der den Betrieb bei einer früheren Kontrolle noch ohne Beanstandungen freigegeben hatte, mit sofortiger Wirkung für alle Nutztierarten aus. Seine Suspendierung gilt vorerst für den gesamten Bereich.
Dem Betrieb drohen nun rechtliche Konsequenzen, da die Ermittlungen voranschreiten. Durch den Ausschluss aus dem QS-System darf er keine Produkte mehr unter den Standards der Zertifizierung verkaufen. Der Fall des suspendierten Prüfers wirft zudem grundsätzliche Fragen zur Effektivität der Kontrollen im Tierschutz auf.






