21 March 2026, 10:12

Schillers Wallenstein trifft auf Prigoschin: Eine provokante Theaterfusion in München

Altes Buchcover mit einem Mann im Anzug und Krawatte, wahrscheinlich der Komponist von *Schaukel-Lied*, mit dem Titel in russischer Sprache.

Schillers Wallenstein trifft auf Prigoschin: Eine provokante Theaterfusion in München

Eine kühne Neuinszenierung von Schillers Wallenstein feiert Premiere an den Münchner Kammerspielen

An den Münchner Kammerspielen hatte eine gewagte Neuinterpretation von Friedrich Schillers Wallenstein Premiere – ein Stück, das den Dreißigjährigen Krieg mit modernen Konflikten verschränkt. Regisseur Jan-Christoph Gockel verwebt die Geschichte des kaiserlichen Feldherrn Wallenstein mit der des verstorbenen Wagner-Gruppen-Chefs Jewgeni Prigoschin, bekannt als "Putins Koch". Die Inszenierung setzt auf eindringliche Bilder, kulinarische Metaphern und sogar eine mechanische Vorrichtung, die den gelähmten Schauspieler Samuel Koch wie eine Marionette bewegt.

Der Abend begann mit dem russischen Performer Serge, der die Parallelen zwischen Wallenstein und Prigoschin aufzeigte. Er eröffnete mit einem Vortrag über Prigoschins Aufstieg, bezeichnete das Kochen als "Krieg" und zitierte das Wagner-Motto: "Unser Geschäft ist der Tod – und das Geschäft floriert." Die Worte lagen schwer in der Luft, besonders da der Flughafen München an diesem Tag bereits die zweite Drohnenwarnung erlebte.

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Auf der Bühne arbeitete das Ensemble an einer langen Küchenzeile, hackte und rührte, während sich die Darsteller von Köchen in Bauern und schließlich in Wallensteins Soldaten verwandelten. Schauspielerinnen trugen Muskelanzüge und falsche Bärte – ihre Metamorphosen spiegelten die wechselnden Loyalitäten im Krieg wider. Die unter dem Titel "Schlachtmahl in sieben Gängen" stehende Produktion ließ die beiden Erzählstränge kollidieren: Schillers historischen Verrat gegen Prigoschins Söldnerimperium.

Gockels Team kürzte und bearbeitete Schillers Text stark, fügte Prologe und Epiloge hinzu. Eine Einlage zeigte ein Kinderbuch von Prigoschin, das warnt, dass Kriegsprofiteure zu mächtig werden. Ein weiterer Moment ließ Kochs mechanisches Gestell während Wallensteins Tod kurz lebendig werden – seine Arme bewegten sich, zwei langsame Schritte – bevor er wieder erstarrte.

Später verwandelte Serge mit einem Harry-Potter-Zauber Angst in Lachen und unterstrich damit den schwarzen Humor der Inszenierung. Die Parallelen waren unübersehbar: Wallensteins Machtstreben hallte in Prigoschins hybrider Kriegsführung in der Ukraine wider, beide Männer als Werkzeuge größerer Regime.

Die Produktion verband einen General des 17. Jahrhunderts mit einem Kriegsherrn des 21. Jahrhunderts und nutzte das Theater, um sich wiederholende Zyklen von Macht und Gewalt bloßzulegen. Indem Gockel Schillers Verse mit Prigoschins Taktiken verschmolz, zwang er das Publikum, sich der erschreckenden Kontinuität von Krieg – und denen, die von ihm profitieren – zu stellen.

Quelle