22 March 2026, 10:11

Rheinwasser flutet bald ehemalige Kohlegruben – doch Skepsis bleibt groß

Alte Karte des Rheins in Deutschland, die Flüsse, Städte und Gewässer zeigt, mit Text oben und unten.

Rheinwasser flutet bald ehemalige Kohlegruben – doch Skepsis bleibt groß

Großprojekt zur Flutung ehemaliger Kohlegruben in Nordrhein-Westfalen mit Rheinwasser offiziell gestartet

Ein ehrgeiziges Vorhaben, ehemalige Braunkohletagebaue in Nordrhein-Westfalen mit Rheinwasser zu fluten, hat nun offiziell begonnen. Das Projekt soll neue Seen schaffen, den Tourismus ankurbeln und die regionale Wirtschaft stärken – doch Umweltschützer bleiben skeptisch. Der Startschuss fiel mit einem symbolischen Spatenstich in Elsdorf, der den ersten Schritt einer jahrzehntelangen Umgestaltung der Tagebaugebiete markiert.

Kernstück des Plans ist eine 45 Kilometer lange Pipeline mit Rohren von bis zu 2,2 Metern Durchmesser, die Rheinwasser in den Tagebau Hambach leiten soll. Die Flutung dort soll 2030 beginnen, gefolgt von den Gruben Garzweiler und Inden im Jahr 2036. Der Energiekonzern RWE, der hinter dem Projekt steht, plant zudem fünf weitere Gewässer in der Region, darunter an den Standorten Sophienhöhe, Niederzier und dem Zukunftscampus in Wesseling.

RWE-Vorstandsmitglied Lars Kulik bezeichnete die Pipeline als Symbol für "Verlässlichkeit und Zukunftschancen". Er betonte, das Projekt könne Seen entstehen lassen, Feuchtgebiete schützen und durch Tourismus Arbeitsplätze schaffen. Elsdorfs Bürgermeister Andreas Heller teilte diese Zuversicht und prognostizierte, der neue See werde die Stadt als "Elsdorf am See" neu positionieren und ihr Image aufwerten.

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Doch es gibt auch kritische Stimmen. Umweltverbände wie der BUND und die Initiative Alle Dörfer bleiben zweifeln daran, ob ausreichend Wasser verfügbar sein wird – besonders vor dem Hintergrund des geplanten hyperskalierbaren Rechenzentrums von Microsoft in der Nähe. Aktivisten wie Andreas Büttgen warnen zudem, RWE könnte sich nach der Flutung der Gruben aus der Verantwortung stehlen. Büttgen fordert strengere Kontrollen der Wasserqualität und eine bessere Reinigung des Rheinwassers vor der Einleitung in die Tagebaue.

Rechtliche Hürden stehen noch aus. Die Bezirksregierung Arnsberg hat das Genehmigungsverfahren für die Einleitung von Wasser in den Tagebau Hambach noch nicht eingeleitet, plant jedoch, noch in diesem Herbst zu beginnen.

Der erste Spatenstich für die Pipeline leitet eine langfristige Umgestaltung der nordrhein-westfälischen Bergbaufolgelandschaft ein. Bei Erfolg könnten die neuen Seen Besucher anziehen und Arbeitsplätze schaffen – doch Fragen zur Wasserversorgung und -qualität sind noch ungeklärt. Die nächsten Schritte hängen von behördlichen Genehmigungen und den laufenden Debatten über Umweltschutzauflagen ab.

Quelle