Regionalbahn in Deutschland kämpft mit Finanznot und wachsenden Kosten
Nadeshda SölzerRegionalbahn in Deutschland kämpft mit Finanznot und wachsenden Kosten
Deutschlands Regionalbahn steht unter wachsendem Finanzdruck
Die regionalen Bahnverbindungen in Deutschland sehen sich steigenden Kosten und stockender Finanzierung gegenüber. Eine entscheidende Weichenstellung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zu Obergrenzen für Trassenentgelte, die bis Mitte 2026 erwartet wird, könnte die Ausgaben weiter in die Höhe treiben. Gleichzeitig kämpfen Betreiber mit veralteten Finanzierungsmodellen und der Konkurrenz durch mautfreie Busse.
Nach der Umwandlung der Deutschen Bahn in eine Aktiengesellschaft wurden die Regionalverkehre in die Verantwortung der Bundesländer übergeben. Seither hinkt die Finanzierung der Inflation hinterher – die Betreiber müssen mit immer knapperen Budgets auskommen.
Jeder Zug, der das bundeseigene Schienennetz nutzt, muss Infrastrukturgebühren entrichten, was die Fixkosten zusätzlich belastet. Busse hingegen bleiben von solchen Abgaben verschont und genießen damit einen klaren Kostenvorteil gegenüber der Schiene.
Die angespannte Lage hat bereits dazu geführt, dass einige Unternehmen ihr Angebot kürzen mussten. So strich National Express, das in Nordrhein-Westfalen aktiv ist, kürzlich Züge auf der stark frequentierten Strecke Aachen–Hamm. Als Grund nannte das Unternehmen Streitigkeiten mit dem Land über Vertragsbedingungen.
2021 meldete Abellio, ein niederländischer staatlicher Bahnbetreiber, nach Jahren finanzieller Belastungen seine deutsche Tochter für insolvent. Der Fall verdeutlichte die strukturellen Probleme der Branche.
Um die Lage zu entlasten, verleiht der Staat inzwischen Rollmaterial an private Betreiber, was die Anfangsinvestitionen senkt. Zudem wurde das Deutschlandticket, ein bundesweites Flatrate-Ticket, bis 2030 gesichert – die Preise sollen ab 2027 inflationsbereinigt angepasst werden.
Die anstehende EuGH-Entscheidung zu den Trassenentgelten wird die Zukunft des Regionalverkehrs in Deutschland maßgeblich prägen. Fällt die Obergrenze weg, drohen den Betreibern deutlich höhere Fixkosten. Da Busse bereits von geringeren Ausgaben profitieren, könnte sich die Kluft zwischen Straße und Schiene weiter vertiefen.






