Humboldt Forum: Zwischen kultureller Tiefe und oberflächlichem Selfie-Tourismus
Zenon PechelHumboldt Forum: Zwischen kultureller Tiefe und oberflächlichem Selfie-Tourismus
Das Humboldt Forum in Berlin hat sich zu einem bedeutenden kulturellen Ort entwickelt, der Debatten zu Themen wie dem Schwinden der Demokratie und globaler Ungerechtigkeit eine Bühne bietet. Sein Programm umfasst aber auch Nischenthemen, etwa die Geschichte eines verschwundenen Flusses im Süden Brasiliens. Doch trotz seines anspruchsvollen Angebots sieht sich der Ort Kritik an seinem Design und der Zusammensetzung seines Publikums ausgesetzt.
Das Ethnologische Museum und das Museum für Asiatische Kunst teilen sich nun den prunkvollen Rahmen unter der kreuzgekrönten Kuppel des Humboldt Forums. Sein kulturelles Programm steht dem eines großen Theaters in nichts nach und setzt sich mit drängenden Fragen auseinander – von Raubkunst über Restitution bis hin zu kolonialer Gewalt. Aktuelle Performances wie Sarah Ama Duahs „to build to bury to remember“ inszenieren Objekte als autonome Körper und hinterfragen so traditionelle koloniale Blickwinkel.
Das Gebäude selbst liegt zwischen Rolltreppen und Betonbrachen und bietet Besuchern nach Veranstaltungen kaum Raum zur Entspannung. Kritiker bemängeln, es wirke eher wie ein Palast denn wie ein offener städtischer Ort. Zwar zieht die Qualität des Programms ein intellektuell interessiertes Publikum an, doch viele Gäste sind nach wie vor Touristen, die nur kurz für ein Selfie im Innenhof vorbeikommen.
Das Humboldt Forum bleibt eine umstrittene Kulturinstitution. Hochkarätige Diskussionsformate und künstlerische Aufführungen existieren hier neben einem Publikum, das oft nur oberflächlich teilnimmt. Die räumlichen und konzeptionellen Herausforderungen des Ortes sind Teil seiner sich weiterentwickelnden Geschichte.
